Wertminderung für Immobilien durch Sendemasten?
Immer mehr Menschen wollen heute zu jeder Zeit und überall telefonieren. Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 450 Millionen Handys verkauft. Derzeit sind in Deutschland rund 50.000 Basisstationen in Betrieb. Mit dem Erwerb der UMTS-Lizenzen haben sich die Betreiber verpflichtet, bis Ende 2003 mindestens 25 Prozent der Bevölkerung, bis 2005 immerhin 50 Prozent einen Empfang zu ermöglichen. Dies wird mit der Errichtung weiterer 40.000 Sendeanlagen einhergehen. Beim Telefonieren mit dem Handy oder mit schnurlosen Festnetz-Telefonen entstehen hochfrequente, elektromagnetische Felder. Verursacht durch die Vielzahl von Antennen, die uns umgeben, spannen sich diese Felder inzwischen wie ein Netz über unsere Umwelt. In Bevölkerung, Politik und Wissenschaft werden die technisch-medizinischen Aspekte des Mobilfunks kontrovers diskutiert. Selbst nach vielen Studien, das bayrische Umweltministerium spricht von rund 27.000 wissenschaftlichen Arbeiten, gibt es noch kein abschließendes Ergebnis über die Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung auf Mensch und Umwelt. Die unterschiedlichen Auslegungen der wissenschaftlichen Studien führen zu Angst und Verunsicherung. Daneben spielen aber auch ökonomische Gründe eine Rolle. Immer mehr Eigentümer fürchten, Mobilfunkanlagen könnten die Werte oder Mieteinnahmen ihrer Immobilien reduzieren. Nicht selten führen die Befürchtungen zu emotional geführten Diskussionen in der Öffentlichkeit und zu Klagen vor Gericht. Bund, Länder und Kommunen müssen abwägen zwischen der Bereitstellung zeitgemäßer Infrastruktur und dem Auftrag, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.
Entwicklung der Mobilfunknetze
Der erste private Mobilfunkdienst wurde 1946 in den USA aufgebaut. In Deutschland begann der Ausbau der Mobilfunknetze in den 50er Jahren. Mit Einführung des GSM-Standards (Global System for Mobile Communications) ist über die D 1-, D 2- und E-Netze weltweit eine etwa 150 Länder umfassende Kommunikation möglich. Inzwischen wird über das IRIDIUM-System sogar eine Verbindung über Satelliten verwendet. Die Einführung des UMTS-Dienstes (Universal Mobile Telephone Services) erlaubt die weltweite flächendeckende Mobilfunknutzung auch für Fotos, Musik und Drucktexte.
Technischer Hintergrund
Das Telefonieren mit dem Handy oder mit schnurlosen Festnetz-Telefonen funktioniert mittels elektromagnetischer Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Mobilfunkwellen gehören ebenso wie Radio-, Funk- und Mikrowellen in den Hochfrequenzbereich (10 MHz bis 300.000 MHz). Die Sendeleistung von Mobilfunk-Basisstationen sind deutlich geringer als bei Rundfunk- und Fernsehsendern, die ihre Empfänger über weite Entfernungen erreichen müssen. Die Sendefrequenz ist dagegen höher. Die meisten Mobilfunkantennen strahlen mit starker Richtwirkung fast waagrecht vom Standort ab. Damit sind die Gebäude, auf deren Dächern sich Mobilfunk-Basisstationen befinden, oft weniger belastet als Nachbargebäude. Mobilfunkantennen funken nur dann mit ihrer vollen Leistung, wenn alle Kanäle voll belegt sind und weitere Handys im Umkreis keine Verbindung mehr bekommen. In Senderichtung nimmt der Energiegehalt der Funkwellen ungefähr mit dem Quadrat der Entfernung ab. Im Mobilfunk werden die Frequenzen stets von mehreren Benutzern zugleich verwendet. Die Verfahren zu dieser Vielfachverwendung heißen Multiplex-Verfahren. GSM nutzt Time Division Multiple Access (TDMA), teilt also die Übertragung in einzelne Zeitschlitze.
Unsere analoge Sprache wird dabei digitalisiert, in Pakete zusammengefasst und Schlitz für Schlitz scheibchenweise übersandt. Konkret steht damit jeder achte Zeitschlitz dem gleichen Benutzer zur Verfügung; die sieben Zeitschlitze dazwischen werden anderen Benutzern zugeteilt. Die Zeitschlitze eines einzelnen GSM-Mobilfunknehmers wiederholen sich rund alle vier Tausendstel Sekunden. Die Pulsfrequenz eines einzelnen Gesprächs ist damit 217 Hz.
Der neue UMTS-Standard erfordert ein völlig neues Sende- und Empfangsnetz. UMTS nutzt ein anderes Modulationsverfahren, um die Frequenzen zu nutzen. Das Multiplex-Verfahren von UMTS heißt Wideband Code Division Multiple Access, WCDMA. Die Zuordnung der einzelnen Gespräche oder Datenübertragung erfolgt hier durch einen Code. Um die Multimedia-Anwendungen einer großen Nutzerzahl ver- fügbar zu machen, sind wesentlich mehr Sendestationen notwendig. Zudem verlangt das UMTS-Netz aufgrund der höheren technischen Komplexität eine sehr regelmäßige Netzstruktur, also eine gleichmäßige Verteilung der Basisstationen. Allerdings verzichtet diese Technik auf die gepulste Übertragung. In Gebieten mit hoher Siedlungsdichte kann unter dem Gesichtspunkt einer Immissionsminimierung eine gleichmäßige Verteilung von Mobilfunkanlagen sinnvoll sein.
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