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Die neue Karriere des Wohneigentums

Von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Hermann FranckeInformation

Die neue Karriere des
Wohneigentums

Prof. Dr. Dr. h. c. Hans-Hermann Francke


Sowohl in historischer Perspektive als auch im internationalen Vergleich ist das zentrale Merkmal privaten Wohneigentums seine sozialpolitische Funktion. So gehört schon zu den großen demokratischen Errungenschaften der Französischen Revolution die Einführung des privaten Immobilienbesitzes für den damaligen dritten Stand, die Bürger. Damit wurde nicht nur die bisherige Feudalherrschaft von Adel und Klerus beseitigt, sondern es ging darum, einen Einstieg in die staatliche Sozialpolitik des heraufziehenden Industriezeitalters zu finden. Die Möglichkeit breiter bürgerlicher Schichten, sich durch Wohneigentum gegen unkalkulierbare örtliche Verdrängung, schnellen ökonomischen Strukturwandel und verbreitete Altersarmut zu schützen, wurde als Voraussetzung demokratischer Stabilität erkannt, die sich auf individuelle Freiheit gründet. Diese ist jedoch ohne ökonomische Grundsicherung kaum denkbar.


Das Beispiel USA

Aber auch in jenem Land, das seit über 250 Jahren Ziel derjenigen Emigranten war, die freiheitliche Selbstbestimmung suchten, den USA, ist die intensive staatliche Förderung des selbst genutzten Wohneigentums wichtiges Element staatlicher Sozial- und Wirtschaftspolitik. Hier werden die Eigentümer selbst genutzten Wohneigentums umfänglich gefördert, indem sie über besondere Rechte zur vorfälligen Kündigung ihrer Hypothekbarkredite verfügen und die damit verbundenen Risiken der Kredit gebenden Banken von staatlich garantierten Finanzierungsgesellschaften getragen werden. So kommt es nicht nur zu einer im internationalen Vergleich hohen Wohneigentumsquote, sondern auch zu einer Abstützung des in den USA ausgeprägten Kapitalmarktfinanzierungssystem der Industrie, weil die damit verbundenen individuellen Risiken des breit gestreuten Aktienbesitzes durch das staatlich privilegierte, selbst genutzte Wohneigentum wesentlich abgesichert werden. Insofern ist in den USA die staatliche Förderung selbst genutzten Wohneigentums nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Sozialpolitik, sondern zugleich Element der Finanzierung der gesamtwirtschaftlichen Investitionen, welche das Wachstum und den allgemeinen Wohlstand bestimmen.


Eingeschränkte Wohneigentumsförderung in Deutschland

Vor diesem Hintergrund überraschen die diesbezüglichen aktuellen Verhältnisse in Deutschland. Zwar mag man die im internationalen Vergleich niedrige Wohneigentumsquote immer noch als Ergebnis der Katastrophen deutscher Geschichte interpretieren, doch ist die in den vergangenen Jahren immer weiter eingeschränkte Wohneigentumsförderung gerade angesichts der gegenwärtigen Struktur- und Reformprobleme unverständlich. Offensichtlich wurde intensive Wohneigentumsförderung in den Nachkriegsjahren zunächst eher als Instrument zur Beseitigung der Kriegsschäden begriffen. Später, als der Wohlstand wuchs, erschien sie mehr als Teil vermeintlich überflüssig werdender Familienpolitik und wurde dann, als die auf anderen Feldern ausufernde Sozialpolitik kollabierte, zum verkannten Streichkandidaten auf der Subventionsliste knapper öffentlicher Haushaltspläne. Dass das private Wohneigentum nicht nur einen wichtigen Platz in einer zukunftsorientierten Sozialpolitik haben kann, die in der persönlichen Verantwortung der Bürger gründet, sondern zugleich eine neue Karriere starten könnte, welche die allgemeine ökonomische Reformpolitik stützt, wird bisher kaum begriffen.


Einkommensstagnation und demografische Bürden


Die aktuelle Diagnose der unbefriedigenden ökonomischen Situation in Deutschland hebt zwei Merkmale hervor: die seit fast zehn Jahren anhaltende Stagnation der real verfügbaren Einkommen privater Haushalte und die immer bewusster werdende demografische Verwerfung der Alterspyramide.
Die Einkommensstagnation hat drei wesentliche Ursachen:

- Erstens den globalen Strukturwandel, der kosten- und nachfragebestimmt zu einer Neuverteilung industrieller Fertigungsstandorte und -methoden sowie der internationalen Einkommensverteilung führt,

- zweitens die Krise und Reformverzögerung der bestehenden sozialen Sicherungssysteme in Deutschland,


- drittens die „Überlastung“ der alten Bundesländer bei der Finanzierung der Wiedervereinigung mit den neuen Bundesländern.

Die demografische Verwerfung der
Alterspyramide hat

- erstens und auch längerfristig die Konsequenz, dass die sozialen Sicherungssysteme zusätzlich und nachhaltig belastet und damit nicht mehr finanzierbar sein werden,  Tipp

- zweitens die Folge, dass sich die vom individuellen Lebenszyklus bestimmten Bedürfnisse unserer Gesellschaft zwischen den Generationen stärker differenzieren und teilweise konfligieren.

Insofern sind beide zentrale Merkmale unserer ökonomischen Problemsituation analytisch eng miteinander verknüpft, wenn deren jeweilige Ursachen und Folgen betrachtet werden.
 [...]Fortsetzung








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