Zusammenfassung
Das alte China wurde von dem Interesse an den Naturwissenschaften beherrscht, wirtschaftliche Beziehungen waren daher relativ uninteressant. Mehr oder weniger wurde Ökonomie nur als Erweiterung der philosophischen und politischen Darlegungen erläutert und es gab kaum jemand, der Wirtschaftsprobleme als einen getrennten Wissenschaftszweig erforschte.
In der klassischen chinesischen Literatur, zum Beispiel Shijing «Buch der Lieder», Liji «Aufzeichnung der Riten», Yijing «Das Buch der Wandlungen», oder Shangshu «Das Buch der Urkunden», gibt es reichliche Aufzeichnungen und Kommentare über den Warentausch. Ungefähr zweitausend Jahre lang stand die Lehre und Ideologie der Konfuzianischen Schule (Ru-Schule) an vorherrschender Stelle. Der Begründer Konfuzius (551-479 v. Chr.) und alle berühmten Denker waren als Philosophen, politische und ethische Denker bekannt geworden. Niemand, einschließlich Konfuzius, war wegen der Spezialisierung auf dem Wirtschaftsgebiet in aller Munde. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie sich nicht mit Wirtschaftsproblemen auseinandergesetzt hätten. Konfuzius vertrat die Meinung, dass shi(Landwirtschaft) erste Angelegenheit der Staatsverwaltung sei. Er befürwortete, dass der Staat Bodenrente, Steuern und Abgaben verringern sollte, um die Produktionsbereitschaft der Bauern zu erhöhen und um das Ziel der ganzen Gesellschaft, nämlich zu shi (genug zum Essen), zu erreichen. Damit hatte sich Konfuzius der frühzeitigen Wirtschaftsideologie Chinas gewidmet.
Der großartige Militärstratege Sun Wu beurteilte Auf- oder Abstieg einer Staatsmacht anhand Wachstum und Niedergang der landwirtschaftlichen Produktion. Er war der Meinung, dass Aufstieg und Niedergang der landwirtschaftlichen Produktion von zwei Faktoren abhänge, zum einen der Größe der Bodeneinheit, zum zweiten die Höhe des Steuersatzes.
Man kann wohl sagen, dass Meister Sun ein ausgezeichneter wirtschaftlich quantitativer Analytiker war. Dies kam im Altertum Chinas selten vor. In der späteren Zeit der Streitenden Reiche (481-221) entwickelte der große konfuzianische Denker Xunzi (ca. 313-238) seine Wirtschaftstheorie, mit der ein Reich wohlhabend werden konnte. Hinsichtlich des Aspekts der Wirtschaftsideologie nahm er folgende Theorien an: „Naturgesetz folgen“ vom Taoismus, „Steuer und Abgaben verringern“ von Konfuzius, „Frondienste wenig beanspruchen“ von Guan Zhong (? – 645), „Ausgaben kürzen“ von Mozi (468-376), „Arbeitsteilung“ und „Landwirtschaftsproduktion stützen“ von Menzius (372-289), „Landwirtschaft hochschätzen und Handel unterdrücken“ (Physiokratismus) von Shang Yang (ca. 390-338) und Han Fei (ca. 280-233) etc.
Man kann sagen, dass Xunzis Behauptung, nämlich „mehr Wunsch weniger Ware“, der Ausgangspunkt und der Grundstein der westlichen Wirtschaftstheorien in der Neuzeit und Gegenwart sind. Im Vergleich zu Guan Zhong und Menzius vertiefte Xunzi die Theorie „Arbeits- und Berufsteilung“. Er brachte zwei neue Konzepte hervor: die Produktion zu entwickeln, ist die „Wurzel des Vermögens“ und die „Quelle der Waren“, demgegenüber ist die Lagerung von Steuereinnahmen das „Ende des Vermögens“ und der „Auslauf der Waren“. Dies ist Xunzis Beitrag zu der Finanzwissenschaft. Die Wirtschaftstheorien vor der Qin-Dynastie zählen meistens zu den Makrowirtschaftstheorien, es gibt verhältnismäßig wenig Mikrowirtschaftstheorie.
Das Buch Guanzi wurde von den Gelehrten in Jixia dem Staat Qi im Namen des Guanzis in der Zhanguo-Zeit zusammengestellt. Darin gibt es auch in der Han-Zeit hinzugefügte Teile. Ursprünglich gab es insgesamt 24 Rollen (juan) und 86 Teile (pian), davon sind 76 Teile heute noch vorhanden. Die Teile zum Thema Qing Zhong(«Grad der Wichtigkeit») stellten relativ mehr Wirtschaftsprobleme dar, als andere Klassiker der chinesischen Antike. Die Erläuterungen beziehen sich auf Produktion, Verteilung, Handel, Konsum und Finanzen. Ein Teil des Werks Shiji • Huozhi liezhuan(«Geschichtliche Aufzeichnung • Biographien von Warenproduktion») vom Sima Qian (ca. 145-90) berichtet über die Großtaten, die Reden und über den sozialen Status der berühmten reichen Geschäftsleute wie zum Beispiel Fan Li Zi Gong (520 v.Chr.-?) und Bai Gui sowie über Produktion und Besonderheiten der gesellschaftlichen Wirtschaftsentwicklung vom Ende der Chunqiu-Periode bis zum Anfang der Han-Dynastie (206 v.Chr. – 220 n.Chr.).
Später schrieb Ban Gu (32-92 n.Chr.) Hanshu(«Geschichte der Han-Dynastie») und fügte diesem etwas hinzu beziehungsweise strich Teile. So stellte Ban Gu Huozhizhuan(«Überlieferung über Warenproduktion») fertig und zwar mit verschiedenen Theorien.
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