Bitte schalten Sie Javascript in ihrem Browser ein, damit Sie diese Seiten optimal nutzen können. Vielen Dank!
Auf dem Weg zur Weltmacht
Wissenschaft in China und Deutschland
Wenn du ins Dorf kommst.......
Chaos und Fraktale: Chinesische Landschaftsmalerei
Geschichte der chinesischen Wirtschaftsliteratur







Wenn du ins Dorf kommst.......

Von Jens Kammerer,Information

Wenn du ins Dorf kommst, folge den lokalen Gepflogenheiten


China ist ein Zauberwort, das zu allen Zeiten Ideen und Gedanken beflügelt hat und mit dem sich häufig Erwartungen und Gedanken verbinden, die einer idealisierten Vorstellung entspringen. Ob die Enzyklopädisten das Land als ein ideales Staatsgefüge verklärt haben, Revolutionäre in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem „Guten Mensch(en) von Setzuan“ nacheifern wollten oder im vergangenen Jahrzehnt allenthalben Begeisterung ausbricht angesichts der immensen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich in diesem Riesenreich ergeben: Oft spielen Vorstellungen eine wichtigere Rolle als Erfahrungen, wenn es um China geht.

China öffnet sich dem Westen  Chart
Persönlich habe ich China zum ersten Mal 1990/1991 als Student kennen gelernt und war ab 1997 in verschiedenen Tätigkeiten in China und Hongkong tätig. Im Laufe der Zeit hatte ich die Möglichkeit, viele Veränderungen im Land hautnah mitzuerleben. Der erste und auffälligste Eindruck ist, wie schnell sich das Land vor allem in den östlichen Küstenregionen verändert hat. 1990 habe ich als Student in Nanjing, China noch als ein Land erlebt, das sich dem Westen zwar geöffnet hatte, aber in dem der westliche Einfluss noch sehr gering war. Dies zeigte sich sowohl in materiellen Dingen als auch im Denken der Menschen.

Was das Materielle angeht, lassen Sie mich ein paar Beispiele erwähnen: Zu unseren Studienzeiten gab es fast keinerlei westliche Lebensmittel zu kaufen. Wann immer in irgendeinem Kaufhaus eine Ladung Spaghetti oder westliche Schokolade angekommen war, sind wir kollektiv auf unsere Fahrräder gestiegen, um diese Schätze zu erstehen. Wann immer ein Kommilitone nach Shanghai gefahren ist, bekam er den Auftrag ein Stück Käse, das es damals nur dort im Supermarkt des Jinjiang Hotels gab, mitzubringen. Speiseöl, Mehl und Reis war fast noch gar nicht in Kaufhäusern zu bekommen, da diese Grundnahrungsmittel noch weitgehend über Bezugsscheine und spezielle Verteilungsstellen an die Bevölkerung ausgegeben wurden. Markenjeans waren nur in den so genannten „Friendship Stores“ erhältlich. Auf den Straßen waren kaum Autos unterwegs. Welch ein Unterschied heute! In allen großen Städten finden sich internationale Supermarkt-Ketten wie Metro oder Carrefour. Das Warenangebot ist fast unbegrenzt. In den Metropolen wie Shanghai und Beijing ist es gar kein Problem, westliche Lebensmittel zu bekommen, teilweise ist dies auch in kleineren Städten möglich. Modeartikel finden sich nicht nur in den großen internationalen Kaufhäusern wie Printemps oder Lane Crawford sondern auch in allen chinesischen Shopping Malls. Der Autoboom ist ungebremst; jedes Jahr werden Millionen von neuen Privatwagen zugelassen.

China hinter der Fassade  Chart
Was bedeutet das, wenn Sie beruflich mit China zu tun haben? Es bedeutet, dass man vordergründig in den reichen Gegenden den Eindruck bekommt, es gebe kaum einen Unterschied zum Westen. Wenn Manager aus den Stammhäusern westlicher Firmen „Fact Finding Tours“ durch China machen und dabei Peking, Shanghai und Guangzhou besuchen, heißt es oft „alles klar - wie bei uns“. Und das ist es eben nicht: Ein paar Kilometer außerhalb der Metropolen hört der „Westen im Osten“ oft schon auf. Vorschriften und Regularien sind immer noch undurchsichtig, Restriktionen behindern die Geschäfte. Natürlich bringt eine Änderung in materiellen Dingen auch ein verändertes Verhalten mit sich – westlich Essen, Zigarren rauchen, Übersetzungen westlicher Literatur lesen – vorzugsweise gute Ratschläge von Jack Welch oder ähnliches. Und dennoch habe ich oft den Eindruck, dass das westliche Verhalten oft eine Fassade ist, dass das eigentliche Denken der Menschen deutlich von westlichem Denken abweicht. Nach vielen Jahren in Asien fallen einem natürlich viele „Spezialitäten“ gar nicht mehr so auf, sie sind normal geworden. Dennoch möchte ich auf ein paar Eigenheiten eingehen, die mir immer wieder begegnen.

Vom Umgang mit Geschäftspartnern  Chart
Wo finden Geschäftsverhandlungen
statt und wo werden Dinge entschieden? Jeder der länger in China tätig ist, wird ein ganz bestimmtes Verhaltensmuster feststellen: Viele Geschäftsvereinbarungen werden beim Essen getroffen und zwar oft in der letzten Viertelstunde, mit einer Menge Alkohol im Blut. Gemeinsames Essen und vor allem auch Trinken ist fester Bestandteil von geschäftlichen Beziehungen. Dabei sind Chinesen sehr sicher, dass ihr Essen das Beste auf der Welt ist (übrigens eine Auffassung, die sie mit Italienern, Japanern, Koreanern und Franzosen teilen) und dass jeder chinesische Küche mögen muss. Ein wenig Spiel ist auch dabei: Oft werden bewusst „Leckerbissen“ kredenzt, von denen sie wissen, dass sie bei Europäern eher Ekel hervorrufen.
 [...]Fortsetzung








webmaster@vwa-freiburg.de
 
© Seiler & Kunz Onlinegroup