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Die chinesischen Immobilienmärkte: Ein Überblick

Von Prof. Dr. Edmund Li ShengInformation

Seit Ende der 80er Jahre verzeichnet der chinesische Immobilienmarkt ein signifikantes Wachstum. Der Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) bedeutete eine Öffnung der heimischen Wirtschaft für ausländische Waren. Einer der wichtigsten Umbrüche fand innerhalb der Grundbesitzentwicklung und den Immobilienmärkten statt. Mit dem Öffnungsprozess und dem Bedarf zur Weiterentwicklung der Volkswirtschaft wurde die Immobilienanlage in China zur zweitgrößten Investitionsform.

Heute sind rund 26.000 Firmen mit 880.000 Beschäftigten in der Immobilienbranche tätig. Das Gesamtvermögen aller chinesischen Immobilienunternehmen beträgt 257 Milliarden RMB. In den kommenden fünf Jahren wird China eine Gesamtfläche von rund 5,7 Milliarden Quadratmeter an Wohneigentum erbauen; 2,7 Milliarden Quadratmeter davon in Städten, dies entspricht einem Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren. Das Volumen der Immobilieninvestitionen erhöhte sich von Januar bis Oktober 2004 um 36,6 Prozent auf 85,6 Milliarden RMB. Auf den gewerblichen Wohnungsbau entfiel dabei der größte Anteil aller Immobilieninvestitionen. In diesem Segment ist jedoch auch der Wettbewerb am härtesten. Die Immobilienfinanzierung, insbesondere für den Wohnungsbau, nimmt aufgrund der rasanten Entwicklung an Bedeutung zu.

Steuerungselemente in der
Wohnungspolitik
 Chart
Auf dem chinesischen Immobilienmarkt vollzieht sich inzwischen eine stille Revolution. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Immobilienbranche widmet die Regierung einer ausgeglichenen und stabilen Entwicklung der Immobilienmärkte besondere Aufmerksamkeit. So wurde beispielsweise im Jahr 2003 Bewohnern außerhalb Pekings zum ersten Mal verboten, Grundbesitz in der Stadt zu erwerben. Das neue „Public Land Tender and Auction System“ stärkt zudem die Transparenz bei Grundbesitztransaktionen. In China gehört das gesamte Land dem Staat, aber die Landnutzungsrechte können – ähnlich dem deutschen Erbbaurecht - für bis zu 70 Jahre zum Bau von Wohnungseigentum, für bis zu 50 Jahre zum industriellen und für bis zu 40 Jahre zum gewerblichen Gebrauch erworben werden. Die staatliche Wohnungspolitik führt inzwischen zu einem starken Anstieg der Immobilienpreise. In einigen Bezirken Shanghais haben sich die Grundstückspreise im Jahr 2004 fast verdoppelt. Die „Notice 18“ des chinesischen Staatsrats verdeutlicht, dass die Zentralregierung grundsätzlich keine Pläne hegt, Investitionen in Immobilien zu bremsen. Ziel ist es, die Vergabebedingungen zu vereinheitlichen. Die Förderung des lokalen Wohnungsbaus, insbesondere für niedrig- bis mittelpreisige Immobilien, soll fortgesetzt, der Bau von hochpreisigen- und Luxus-Immobilien dagegen durch strengere Vergabebedingungen begrenzt werden. Der dadurch entstehende finanzielle Druck auf kapitalschwache Bauträger wird wahrscheinlich zu einer Konsolidierung führen.

Antriebskräfte für die Immobilienentwicklung  Chart
Ein Grund für das rasche Wachstum des chinesischen Immobilienmarktes ist der Eintritt Chinas in die WTO. Die Nachfrage ausländischer Firmen wird aufgrund von neuen Markteintritten, Expansionen und einer Verbesserung der Rahmenbedingungen steigen. Im Jahr 2004 ließ China 34.000 neue, vom Ausland finanzierte Unternehmen zu. Dadurch steigt die Nachfrage nach Bürogebäuden, Hotels, Dienst- und Fabrikgebäuden. Sinkende Zollsätze reduzieren zudem die Preise für Baumaterialien und Bauausrüstungen.
Während der vergangenen 15 Jahre stieg das Angebot an Büroimmobilien in Peking um fast 15 Prozent. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Olympischen Spiele 2008 in China beflügeln schon heute den gesamten chinesischen Immobilienmarkt und auch die Infrastruktur wird hiervon kräftig profitieren. Weiteren Antrieb erhält der Immobilienmarkt durch die Landflucht, Anzeichen sozialer und wirtschaftlicher Modernisierung. Gemäß einer Studie des Entwicklungsministeriums des Staatsrats ziehen mehr als fünf Millionen Haushalte jedes Jahr aus ländlichen Gegenden in die Städte. Aktuell beträgt die Gesamtgebäudefläche für Wohnungen in der Stadt rund sechs Milliarden Quadratmeter. Experten erwarten, dass China in den kommenden zehn Jahren die nutzbare Wohnfläche um sechs Milliarden Quadratmeter oder 70 Millionen Häuserkomplexe steigern wird. Einen zusätzlichen Auftrieb erhält der chinesische Immobilienmarkt durch die steigende Kaufkraft der privaten Haushalte und deren neue Möglichkeit, privates Eigentum zu erwerben.

Herausforderungen und Problem des chinesischen Immobilienmarktes  Chart
Das starke Wachstum des chinesischen Immobilienmarktes birgt auch gewisse Risiken. Ende April 2004 lag die Leerstandsquote im Wohnimmobilienmarkt bei 58 Prozent.
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